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"Writing in a Cold Climate: Belarusian Literature from the 1970s to the Present Day" – so lautet der vollständige Titel der jüngsten Monographie des Londoner Slavisten Arnold McMillin, die 2010 erschienen ist. Eine umfassende Darstellung der Entwicklung der belarussischen Literatur der vergangenen 40 Jahre.

Als jemandem, der Belarussisch spricht, liest und schreibt, schätze ich an der Monographie vor allem die Tatsache, dass exemplarisch aus vielen Texten zitiert wird – und zwar in englischer Übersetzung! Passagen aus Prosatexten sind ins Englische übersetzt worden (und diese Übersetzungen sind von guter Qualität!), Gedichte hingegen (bzw. Auszüge) daraus sind im belarussischen Original und in einer Interlinearübersetzung vorhanden, so dass sich auch Personen, die das Belarussische nicht verstehen, eine Vorstellung über belarussische Literatur verschaffen können.

An diesem Buch ist wirklich alles gut! Auf 1129 Seiten werden sehr ausführlich die wichtigsten, aber auch einer allgemeinem Öffentlichkeit weniger bekannten Gestalten der belarussischen Literaturszene vorgestellt. Die Struktur ist m. E. außergewöhnlich. Einzelne literarische Phänomene werden nicht nach Themen klassifiziert, wie z. B. "Kriegsprosa", "historische Prosa" usw., und auch nicht nach zeitlichen Kriterien dem Leser nachgebracht, wie z. B. Literatur der 1970er Jahre, Literatur nach 1991 o. Ä. Nein – die einzelnen Kapitel orientieren sich nach ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten. Zunächst werden Schriftsteller der älteren Generation, erst Prosaautoren, danach Dichter vorgestellt – und dazwischen ein einzelnes Kapitel, das dem Schaffen von Ryhor Baradulin gewidmet ist. Es folgen zwei Kapitel zu der Vereinigung der Tutėjšyja (= die "Hiesigen") sowie zu Literaten, die parallel aktiv waren (und noch sind), offiziell jedoch nicht zu den Tutėjšyja zuzurechnen sind, und anschließend Kapitel, die ebenfalls einzelnen Autoren gewidmet sind: Adam Hlobus, Anatol Sys, Uładzimier Niaklajeŭ, Uładzimier Arłoŭ – dann ein Kapitel zu weiteren (Prosa-)Autoren, die sich mit historischen Themen auseinandersetzen (u. a. Leanid Dajnieka, Volha Ipatava, Andrej Fiedarenka) und ein sehr ausführliches Kapitel zu einem ganz anderen Genre, nämlich der Dramatik, in dem das Schaffen von über 20 Autoren beschrieben wird.

Und als ob das noch nicht alles wäre: Ein Kapitel zur Literatur aus den belarussischen Regionen (Połacak, Harodnia, Homiel), na ja – von Aleś Arkuš bis Siarhiej Balachonaŭ, zwei Kapitel über die Bum-Bam-Lit-Generation (einschl. derer, die offiziell nicht dazu gehörten). Und das letzte und nicht weniger wichtige Kapitel stellt Andrej Chadanovič, Vałžyna Mort, Volha Hapiejeva, Vika Trenas und Valiaryna Kustava vor.

Normalerweis gehöre ich nicht zu den Personen, die es für richtig halten, einen Literaturkanon vorzuschreiben. Aber wer sich mit belarussischer Literatur befasst, kommt ohne dieses Büchlein nicht aus!

Dear Mr McMillin, this is not your first publication on Belarusian literature, but it is indeed the most important on contemporary Belarusian literature outside Belarus; and the fact that it has been written not by someone from Belarus, but by someone
"from outside" makes it even more valuable because thus it is more objective.


Comments

( 2 comments — Leave a comment )
adam_hlobus
Apr. 30th, 2011 04:54 pm (UTC)
Арнольда паважаю і радуюся за ягоны поспех у працы над гісторыяй нашай літаравтуры. Дзякуй за згадку.
andre_boehm
Apr. 30th, 2011 08:05 pm (UTC)
Дзякуй за камэнт! Заўтра будзе тое ж самае на беларускай мове.
( 2 comments — Leave a comment )

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André Böhm

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